In manchen Familien ist der Umgang mit den Medien ein sehr leidiges Thema. Falls du es gern ändern und insgesamt etwas entspannter leben möchtest, gebe ich dir hier eine Idee.

Es hilft sicher, das eigene Verhalten und den eigenen Umgang mit den Medien zu reflektieren. Wenn der Fernseher zum Beispiel jeden Abend läuft, egal ab wann, oder aber du ständig das Handy in der Hand hältst, wundert es sicher nicht, wenn dein Kind das gleiche machen bzw. haben möchte. Also mache dir bitte zu Beginn bewusst, wie viel Medienzeit du am Tag hast und ob du vielleicht auch daran etwas ändern möchtest.

Für mich gehören zu den Medien Fernsehen, DVD/CD- und BluRay-Player, Computer, Laptop, sämtliche großen und kleinen Konsolen, Smartphone, IPad, IPod – alles, was in irgendeiner Form gesehen und bespielt werden kann. Davon ausgenommen sind Bookreader und die kleineren IPods wie Shuffles und MP3-Player.

Unsere Kinder haben mit dem Grundschulalter angefangen, sich für die Medien zu interessieren. Das ist jetzt über 13 Jahre her. Fernsehen war bis dahin ein absolutes Highlight. Es wurden ausgewählte Filme mit Popcorn und Chips als FamilyQualityTime geplant angeschaut – vielleicht 1-2 Mal im Monat. Unser Fernseher steht übrigens seit 20 Jahren in Martins Zimmer, also oben und weit weg. Das hat den Vorteil, dass die Präsenz des Gerätes zu keiner Zeit gegeben ist und nie wirklich ein Thema war. Noch heute ist es so, dass wir, wenn wir die Kids alleine lassen, sie nicht von alleine auf die Idee kommen, einfach den Fernseher anzumachen. Ich schwöre.

Nun, um die Medienzeit zu kontrollieren und vor allem auch bei 4 Kids gerecht zu steuern, habe ich die Medienbons eingeführt. Dafür habe ich Postkarten genommen, auf denen jeder seinen Namen, den Hinweis ‚1 Medienbon‘ und ‚30 Minuten‘ aufgeschrieben hat. Diese Bons gab es gestaffelt je nach Klassenstufe, angefangen von Klasse 1 mit 2 Bons. In jeder Klassenstufe gab es einen Bon mehr. Die Höchstzahl war auf 8 begrenzt. Heute würde ich mit 3 Bons beginnen und bis zu 10 Bons gehen. Ab dem Alter von 16 Jahren gibt es eine neue Vereinbarung.

Zu der Medienzeit gibt es folgende Regeln:
• die Bons werden samstags um 14 Uhr ausgegeben
• sie gelten für 7 Tage
• jedes Kind entscheidet selbst und eigenverantwortlich, wann, wie lange und für was es Medienzeit ausgeben möchte
• möchte ein Kind Medienzeit ausgeben, erhalte ich einen oder mehrere Bons mit der Angabe wofür
• das Kind bekommt eine Küchenuhr oder ähnliches, um die Zeit zu messen
• ist die Zeit vorbei, kann gern ein weiterer Bon ausgegeben werden, sofern vorhanden
• zur Beendigung eines laufenden Spielzuges gibt es maximal 5 Minuten Verlängerung
• die Kids müssen selber absprechen, wenn 2 oder mehr an das selbe Gerät möchten
• es werden nur DVDs/BluRay geschaut und nicht einfach durch die Programme gezappt
• Bons dürfen nicht getauscht oder verkauft werden
• ein Bon darf maximal in die Folgewoche übernommen werden
• für Hausarbeit wie zum Beispiel Bad putzen, staubsaugen oder Gartenarbeit können sich Bons verdient werden – die gearbeitete Zeit wird mit entsprechender Medienzeit entlohnt
• wer keine Bons mehr hat, darf sich auf Samstag, 14 Uhr freuen oder schauen, ob es was zu tun gibt
• für Schulnoten gibt es auch Bons: 3 für eine 1, 2 für eine 2 und 1 für eine 3. Auch für den Durchschnitt beim Zeugnis gibt es entsprechend Bons. Bitte vermeide, die Bons als Druckmittel für gute Noten zu missbrauchen.

Meine Tipps:
Besprich diese neue Idee mit deinen Kids und setzt euch gemeinsam hin, um eure Regeln zu erarbeiten. Meine können euch hierbei helfen, doch bitte überlegt selbst, was für euch praktikabel ist.

Das System funktioniert nur so gut, wie die Eltern konsequent sind. Bleibe zum Ende der Medienzeit in der Einführungsphase dieses Systems neben deinem Kind stehen und achte darauf, das es zeitig das Gerät ausschaltet. Das eigene Ausschalten hat auch einen lebenswichtigen Lerneffekt, glaube mir. Ich weiß, dass kostet deine Zeit. Doch wie viel Zeit hast du bisher mit Diskussionen und Ärger verbracht? Halte durch, es lohnt.

Gebt euch eine Probezeit von zum Beispiel 2 Wochen. Setzt euch dann wieder zusammen und schaut, was gut funktioniert hat und wo Veränderungen vorgenommen werden müssen.

Macht einen gemeinsamen Vertrag mit den Vereinbarungen und hängt ihn an einen präsenten Platz auf. Sollte es zu Unstimmigkeiten kommen, verweise auf das von allen gemeinsam erarbeitete und unterzeichnete Papier. Vertrag ist Vertrag.

In der Regel lassen sich Geräte einschränken oder die Stromkabel entfernen. Auch das Internet kann mit Zeitfenstern eingeschränkt werden.

Bitte versuche nicht, die Medienzeit zu institutionalisieren. Sie darf sehr gern als Belohnung genutzt werden, doch vermeide den Entzug als Bestrafung. Das geht nach hinten los und du bist sehr schnell wieder in der Diskussionsschiene.