Das ist, glaube ich, der für uns Eltern zeitweise schwierigste Part und in meinen Augen der wichtigste überhaupt. Wenn wir es schaffen, unser Kind zu begeistern, zu inspirieren, unser Denken und Handeln in gleicher oder zumindest ähnlicher Weise von uns zu übernehmen, dann fühlen wir uns zufrieden. Doch sind wir immer wieder gefordert, gerade darum unser Sein und unseren Sinn zu hinterfragen, zu reflektieren.

Für mich hat sich immer wieder gezeigt, dass ein gut gemeintes Belehren auf Dauer nicht zielführend ist, denn dadurch nehmen wir dem Kind die Möglichkeit, in sein eigenes Denken und die damit verbundene Eigenverantwortung zu kommen. Das Grundbedürfnis eines jeden Kindes ist tatsächlich die Loslösung vom Erwachsenen, um in seine ureigensten Selbstständigkeit und wirklich freien Entwicklung seiner Persönlichkeit zu gelangen.

‚Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es selbst tun. Habe aber auch Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Bitte beobachte mich nur und greife nicht ein. Ich werde üben. Ich werde meine Fehler, die ich mache, erkennen.‘ Maria Montessori

Claus-Dieter Kaul, einer meiner liebsten Montessori-Menschen, hat die 10 Wünsche der Kinder mal zusammen getragen. Ich finde sie sehr überzeugend, weswegen ich sie gern aufgreife. Basis seiner Denke ist die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit (er sprach zeitlos schon 2001 davon) viel mehr lernen müssen, zwischen gegensätzlichen Wertvorstellungen, Anschauungen und Lebensformen gezielt Entscheidungen zu treffen, um sich an selbst gewählten Zielsetzungen zu binden. Diese Bindungsfähigkeit hat zuweilen sehr abgenommen. Deshalb müssen wir Eltern in der Erziehung alles dafür tun, diesem Defizit entgegenzuwirken.

Textquelle: Claus-Dieter Kaul • Die zehn Wünsche der Kinder • Auer Verlag

Bilderquelle: www.unsplush.com/ClarkYoung